Praktikantenbericht


Im Rahmen eines Praktikums bei der Gram BharatiSamiti (GBS), verbrachte ich im Februar dieses Jahres drei Wochen in Amer bei Jaipur im Bundesstaat Rajasthan, Indien. Die Zeit bei GBS, der Partnerorganisation von Hilfe zur Selbsthilfe in Rajasthan (HSHR), war für mich sehr intensiv und lehrreich.

Mein Praktikum begann mit dem von GBS organisierten und von HSHR mitfinanzierten Gesundheitscamp am 9. Februar, das in einem Dorf im Einzugsgebiet von GBS stattfand. Dank der Unterstützung zweier Krankenhäuser waren fünf Ärzte verschiedener Fachrichtungen anwesend, um die Patienten zu untersuchen. Obwohl das Camp in erster Linie für Frauen war, kamen auch viele Männer und Kinder, die ebenfalls untersucht werden wollten und kostenfreieinige grundlegende Medikamente erhielten. Eine Ernährungswissenschaftlerin klärte die Frauen zusätzlich über den Wert einer ausgewogenen Ernährung auf. Insgesamt wurden 180 Patienten untersucht. Mit diesem Ergebnis waren alle Beteiligten des Camps überaus zufrieden.

Nach diesem interessanten Einstieg befasste ich mich in den folgenden Tagen hauptsächlich mit einem der Schwerpunkte von GBS: die Stärkung der Rolle der Frau. Dafür fuhr ich jeden Tag zusammen mit einer der Mitarbeiterinnen in die Dörfer, in denen in den letzten Jahren mit Hilfe von GBS zahlreiche Frauen-Selbsthilfegruppen (SHGs) gegründet wurden. Diese SHGs bestehen meist aus 10-15 Frauen, die monatlich einen kleinen Betrag auf ein gemeinsames Konto einzahlen und die Möglichkeit haben Kredite von GBS’ eigener gemeinnütziger Bank zu erhalten. Die Kredite werden dann von den Frauen entweder für persönliche Belange genutzt oder in die eigene Arbeit (z.B. Stickarbeit, Weben, Nähen, Handel, Viehhaltung, etc.) investiert.
Meine Aufgabe war es zwei der Selbsthilfegruppen genauer zu untersuchen, um deren Errungenschaften und Probleme in Erfahrung zu bringen und zu erkunden, was sich seit der Gründung für die Frauen verändert hat. Am bemerkenswertesten waren hier für mich nicht unbedingt die offensichtlichen Veränderungen, wie ein neuer Anschluss an das Elektrizitätsnetz, Sauberkeit im Dorf und Arbeit für die Frauen, sondern viel mehr noch die sozialen Veränderungen. Die meisten Frauen, die ich fragte, was sich in ihrem Leben verändert habe, nannten die neue Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die Freundschaften, die daraus entstanden seien und die einhergehende Möglichkeit mit anderen über Probleme zu sprechen.

Kurze Einblicke erhielt ich auch in die beiden anderen Schwerpunkte von GBS, Umweltschutz und Gesundheitsfürsorge, so beispielsweise bei meinen Besuchen im Gandhivan, einem von GBS angelegten Wald, und durch die Teilnahme an einem Camp für Menschen mit Behinderung in Karauli, das von GBS mitorganisiert wurde.

Untergebracht war ich in einem der Gästezimmer im Gebäude von GBS, was mir überdies einen Eindruck von der Arbeitsweise der NGO und einen sehr persönlichen Kontakt zu den vier Mitarbeitern ermöglichte.

Mich hat die Arbeit der Gram Bharati Samiti sehr beeindruckt, ganz besonders weil alle Mitarbeiter sich mit unermesslich viel Engagement und Leidenschaft für die Ziele der NGO einsetzen. Trotz der kurzen Dauer meines Aufenthalts konnte ich einprägsame Einblicke sowohl in die NGO-Arbeit als auch in das ländliche Leben Rajasthans gewinnen.